Die Situation

Mittlerweile verbringen viele Menschen, die sich auf der Flucht befinden, eine lange Zeit in unterschiedlichen Lagern. Das Projekt Kunst-Koffer International setzt genau hier an. Den Kindern soll dort ein Raum geboten werden, sich mit ihren traumatischen Erlebnissen auseinanderzusetzen, ohne zurück in die bedrohlichen und Trauma auslösenden Situationen zu fallen. 

 

Hier werden die Kunst-Koffer-International wirksam. Die psychischen Grundannahmen des Kindes über das Selbst und die Welt, die durch die traumatisierenden Erlebnisse und Erfahrungen vernichtet wurden, werden durch schützende Faktoren und Stabilisierungstechniken wieder aufgebaut und die Kinder werden wieder in ruhiges Fahrwasser geführt. 

 

Ziel der Arbeit mit den Kunst-Koffern-International ist es, ein neues Selbst- und Weltbild zu errichten, wobei die Vorstellungsbildung und das Gefühl, wieder selbstwirksam sein zu können, eine entscheidende Rolle spielen. Wenn hier ein starkes traumakompensatorisches Schema etabliert werden kann, dient dies der nachhaltigen Stabilisierung und hilft, tiefergreifende posttraumatische Belastungsstörungen zu vermeiden.

 

Die Kunst-Koffer International ermöglichen den Kindern das freie Spiel und das freie Schaffen, auf Entdeckungsreise zu gehen, ihrem inneren Selbst zu begegnen und ihren Erlebnissen Ausdruck zu verleihen. 

 

In unserem Konzept der Kunst-Koffer-International beziehen wir uns auf den Malort von Arno Stern, der 1946 die Idee des freien Malens in einem Kinderheim für Kriegswaisen und Holocaust-Überlebende in Frankreich einführte und die Bedeutsamkeit des freien Malens in einem geschützten und strukturierten Rahmen erkannte. 

  

Die Kinder malen sowohl positive und unbeschwerte Erinnerungen aus der Heimat als auch verstörende und belastende Situationen. Die Kinder entscheiden selbst, wie sehr sie sich den traumatisierenden Erfahrungen nähern wollen und ob sie darüber sprechen möchten. 

 

Einen Eindruck davon gibt der Film "Fatimas Zeichnung" von Magnus Wennman

Dabei wird das Ziel verfolgt, einen größtmöglichen Abstand zur traumatischen Situation zu schaffen und an einem sicheren Ort

Handlungsfreiräume und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Dies ist die Voraussetzung für die Herausbildung von Resilienz bei den traumatisierten Kindern. 

 

Unser Projekt setzt nach der sogenannten Soforthilfe ein, die die geflüchteten Menschen in Lagern mit dem Allernötigsten versorgt, wie z.B. Trinkwasser, Essen, Kleidung, Matratzen und Zelten. Die Arbeit der Kunst-Koffer International gehört zum zweiten Schritt: Sobald die äußere Sicherheit und die erste Logistik ausreichend gegeben sind, gehen wir mit unseren Team in Flüchtlingslager oder Waisenhäuser und arbeiten dort resilienzstärkend, auf traumatherapeutischen Hintergrund und mit künstlerischen Mitteln. Auch therapeutisch ist es indiziert, möglichst schnell nach den traumatischen Erfahrungen mit einer Bewältigungsstrategie einzusetzen, damit sich die traumatischen Erinnerungen nicht abkapseln oder abgespalten werden und dann therapeutisch schwer zu behandeln sind. 

  

Parallel zur Arbeit mit den Kindern bieten wir während des Aufenthaltes Schulungen für die einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, um das nötige Know-How in das betroffene Land zu transferieren und die Zusammenarbeit in lokalen Teams sowie den interkulturellen und interdisziplinären Austausch zu installieren. 

 

Die aktuelle Umsetzung

 

Die Kunst-Koffer International fahren am 27.12.2017 für zehn Tage in die Türkei, nach Gaziantep, in ein Waisenhaus für syrische Kinder mit Fluchterfahrung. Kooperationspartner ist der Deutsch-Syrische Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte e.V. mit seiner Partnerorganisation Al Hayat vor Ort. Ein multiprofessionelles Team schult die MitarbeiterInnen des Waisenhauses und führt mehrere Tage lang die Arbeit mit dem Kunst-Koffer im Waisenhaus ein. Der extra angefertigte Materialkoffer wird am Ende der Reise an die MitarbeiterInnen des Waisenhauses übergeben und von diesen langfristig weitergeführt. Wir werden berichten.